Reiche Golfherrscher profitieren von europäischen Agrargeldern
Die Herrscherfamilie Al Nahyan aus Abu Dhabi gehört zu den wohlhabendsten Familien der Welt – und offenbar auch zu den Nutznießern europäischer Agrarsubventionen. Nach Rechercheergebnissen sollen die Vereinigten Arabischen Emirate über ihre Ackerland-Besitztümer in Europa EU-Zahlungen in Millionenhöhe erhalten haben. Die Summe wird auf mehr als 71 Millionen Euro geschätzt.
Großflächige Landwirtschaft in mehreren EU-Ländern
Die Al Nahyans haben in den vergangenen Jahren erhebliche Agrarflächen in europäischen Ländern aufgekauft. Diese Flächen machen sie für die Gemeinschaftliche Agrarpolitik (GAP) eligible – jenes EU-Fördersystem, das Landwirte für ihre Produktion unterstützt. Die Familie nutzt diese Mechanik offenbar vollständig aus: Über verschiedene Gesellschaftsstrukturen und Betriebe hinweg kassieren sie regelmäßig Subventionszahlungen ein, ohne dass die Flächen primär der Nahrungsmittelproduktion dienen.
Die Situation wirft Fragen zur Transparenz und Zielgerichtetheit der EU-Agrarförderung auf. Milliarden Euro fließen jährlich aus dem europäischen Haushalt in landwirtschaftliche Zahlungen – eigentlich gedacht, um europäische Bauern zu unterstützen und die Ernährungssicherheit zu wahren. Stattdessen profitieren auch Investoren aus Drittstaaten von diesem System, solange sie formal die Bedingungen erfüllen.
Debatte um Agrarförderung intensiviert sich
Diese Enthüllung dürfte die bereits laufende Diskussion um eine Reform der EU-Agrarsubventionen verschärfen. Kritiker argumentieren seit langem, dass das aktuelle System zu sehr auf Flächenbesitz abstellt, statt auf tatsächliche landwirtschaftliche Leistung. Die Zahlungen an außereuropäische Vermögensklassen zeigen: Das System braucht mehr Kontrolle und klare Kriterien, wer von öffentlichen Mitteln profitieren soll.